Von Kraft & Zauber des 7 Jahres-Rhythmus'
Wenn Menschen zu mir in die Begleitung kommen, dann ist eine Lebenskrise meist der Anlass.
Etwas läuft nicht wie gewünscht.
Ein Projekt gerät ins Stocken.
Eine Beziehung verändert sich.
Der Beruf erfüllt nicht mehr.
Die Gesundheit sendet Signale.
Oder das Leben fühlt sich plötzlich fremd an.
Lebenskrisen oder Sinnkrisen machen unsicher.
Sie lösen Angst aus.
Sie stellen Fragen, auf die wir keine schnellen Antworten haben.
Fast alle Menschen wünschen sich in solchen Zeiten vor allem eines: Dass die Sinnkrise möglichst schnell wieder verschwindet.
Hinzu kommt oft ein weiterer Gedanke: „Warum passiert ausgerechnet mir das?“
Viele Menschen glauben, sie hätten etwas falsch gemacht.
Sie vergleichen sich mit anderen, die scheinbar mühelos durchs Leben gehen.
Sie schämen sich für ihre Unsicherheit und versuchen, die Krise zu verstecken.
Aber: Krisen sind normal.
Sie läuten oft den Wandel von einer Lebensphase in die nächste ein.
Sie gehören zum Fluss des Lebens einfach dazu.
Wie Ebbe und Flut, wie Ein- und Ausatmen, wie Werden und Vergehen.
Niemand bleibt von ihnen verschont.
Und das ist gut so.
Entwicklung verläuft in Zyklen
Das Leben ist kein gerader Weg. Es ist vielmehr wie ein Fluss.
Es mäandert. - Macht Umwege oder Pausen, deren Sinn sich uns oft erst später erschließt.
Es kann sich stauen, überfließen oder austrocknen.
Es kann mal schnell und mal bedächtig fließen.
Es kann mitreißen, zerstören oder tragen.
Und es ist oft zyklisch.
Schon seit Jahrhunderten beobachten Menschen, dass sich etwa alle sieben Jahre neue Entwicklungsschritte ankündigen. Natürlich sind diese Übergänge nicht auf den Geburtstag genau festgelegt. Manche erleben sie früher, andere später. Dennoch zeigen sich erstaunlich häufig ähnliche Themen.
Mit der Geburt
tauchen wir aus der Geborgenheit des Mutterleibes in das Irdische Sein ein. Die wohl größte Zäsur in unserem Leben. Alles ist neu, jede Empfindung, jede Körperfunktion will kennengelernt, erforscht und eingeordnet werden. Alles erscheint überwältigend und doch im besten Fall sicher und geborgen im Kreise der Familie.
Um das 7. Lebensjahr
Mit dem Zahnwechsel und der Einschulung beginnt ein neuer Abschnitt.
Das Kind löst sich langsam aus der frühen Geborgenheit der Familie und entdeckt die Welt eigenständiger. Erste Selbstständigkeit erwacht.
Um das 14. Lebensjahr
Die Pubertät verändert Körper, Gefühle und Denken.
Wir entdecken unsere Sexualität, hinterfragen Autoritäten und beginnen, Verantwortung für unser eigenes Leben zu übernehmen.
Um das 21. Lebensjahr
Viele junge Erwachsene verlassen das Elternhaus, ringen mit den Herausforderungen von Ausbildung oder Studium.
Die Frage „Wer bin ich und was mache ich aus meinem Leben?“ gewinnt an Bedeutung.
Um das 28. Lebensjahr
Nun rücken Themen wie Beruf, Partnerschaft, Familiengründung und finanzielle Sicherheit stärker in den Vordergrund.
Der sogenannte Ernst des Lebens beginnt. Viele treffen weitreichende Entscheidungen und legen sich fest.
Um das 35. Lebensjahr
Erste Zweifel tauchen auf.
War das wirklich die richtige Berufswahl? Lebe ich die Beziehung, die zu mir passt? Warum meldet sich mein Körper plötzlich mit Beschwerden?
Oft werden Menschen in dieser Phase kritischer gegenüber gesellschaftlichen Erwartungen und beginnen, ihren eigenen Weg bewusster zu hinterfragen.
Um das 42. Lebensjahr
Der Wunsch nach Selbstverwirklichung wird stärker.
Viele spüren, dass sie nicht mehr nur funktionieren möchten. Es entsteht die Sehnsucht nach Sinn, Echtheit und einem Leben, das den eigenen Werten entspricht.
Um das 49. Lebensjahr
Die klassische Midlife-Krise kann anklopfen.
Was möchte ich mit der zweiten Hälfte meines Lebens anfangen? Was ist wirklich wichtig? Was darf gehen und was möchte ich bewahren?
Diese Fragen können herausfordernd sein, eröffnen aber oft neue Perspektiven.
Ab Mitte fünfzig
Die eigene Vergänglichkeit wird spürbarer.
Der Körper verändert sich. Eltern werden pflegebedürftig oder sterben. Freundschaften wandeln sich.
Viele Menschen fragen sich nun: Wie möchte ich alt werden? Mit wem möchte ich diesen Lebensabschnitt gestalten?
Um das 63. Lebensjahr
Der Übergang in den Ruhestand steht bevor oder hat bereits begonnen.
Manche erleben diese Phase als Befreiung, andere als Verlust von Struktur und Bedeutung.
Neue Fragen entstehen: Was möchte ich noch gestalten? Was möchte ich weitergeben? Wie sorge ich gut für meine Gesundheit und Lebensfreude?
In meiner Begleitung betrachte ich aktuelle Herausforderungen nie losgelöst von der persönlichen Lebensgeschichte.
Die Biografiearbeit hilft dabei, wiederkehrende Themen, Wendepunkte und Entwicklungsschritte sichtbar zu machen.
Oft zeigt sich, dass eine Lebenskrise nicht plötzlich aus dem Nichts entsteht, sondern in einem größeren Zusammenhang mit dem eigenen Lebensweg steht.
Die Betrachtung der Lebenszyklen eröffnet neue Perspektiven, schafft Verständnis für die aktuelle Situation und kann wertvolle Hinweise darauf geben, was sich im Leben gerade wandeln oder neu entfalten möchte.
Krisen wollen uns nicht bestrafen
Wenn wir diese Entwicklungsphasen betrachten, wird deutlich:
Krisen sind keine Fehler im System.
Sie sind Ausdruck von Wachstum.
Immer dann, wenn das Alte nicht mehr trägt und das Neue noch nicht sichtbar ist, entsteht ein Vakuum.
Und dieses Vakuum fühlt sich oft unbequem an.
Genau dort entsteht jedoch Entwicklung.
Eine Krise fordert uns auf, genauer hinzuschauen.
Sie fragt:
- Lebst du noch im Einklang mit dir selbst?
- Passt dein bisheriger Weg noch zu dir?
- Was möchte sich verändern?
- Was darf losgelassen werden?
- Was möchte neu entstehen?
So betrachtet sind Krisen nicht gegen uns gerichtet. Sie dienen unserem Leben.
Sie laden uns ein, wahrhaftiger zu werden, gesünder zu leben und unserem inneren Wesen näherzukommen.
Scham und Widerstand loslassen und akzeptieren, was ist
Das Schwierigste an einer Krise ist oft nicht die Krise selbst.
Es sind die Gedanken darüber.
Die Scham, nicht zu funktionieren.
Der Vergleich mit anderen.
Die Vorstellung, stark sein zu müssen.
Der Widerstand gegen das, was gerade ist.
Je mehr wir gegen eine Krise kämpfen, desto länger fühlen wir uns oft in ihr gefangen.
Denn Widerstand ist wie ein Haufen Steine, den wir selbst in den Fluss unseres Lebens werfen.
Akzeptanz macht uns unseren Weg so viel leichter.
Sie bedeutet nicht, alles gut zu finden.
Sie bedeutet vielmehr anzuerkennen, was ist.
Dann entsteht die Möglichkeit, bewusst mit einer Krise umzugehen.
Wieder in den Fluss des Lebens zurückzufinden.
Krise - Das Salz in der Suppe des Lebens?
So ungern wir es auch hören mögen: Krisen sind doch irgendwie das Salz in der Suppe des Lebens, oder?
Sie bringen uns mit Fragen in Berührung, die wir uns sonst vielleicht nie gestellt hätten.
Sie holen uns aus Gewohnheiten heraus.
Sie öffnen Türen zu neuen Erfahrungen, neuen Sichtweisen und manchmal sogar zu einem völlig neuen Leben.
Rückblickend berichten viele Menschen, dass sie gerade durch ihre schwierigsten Zeiten gewachsen sind, weil sie dadurch tiefer zu sich selbst gefunden haben. Das war nicht immer angenehm, aber heilsam.
Möge Sie dieser Artikel daran erinnern, dass Sie mit einer Krise nicht allein sind.
Wir alle sind dann und wann betroffen.
Sie haben also nichts falsch gemacht.
Sie sind nicht gescheitert.
Sie befinden sich einfach mitten im natürlichen Fluss des Lebens.
Und was, wenn Ihre Krise nicht das Ende dessen ist, was war, sondern der Beginn dessen, was werden möchte?
Was, wenn Ihre Krise lediglich eine Stromschnelle im Fluss Ihres Lebens ist, ein Entwickungsbeschleuniger?
Eine Stromschnelle, die das Unterste nach oben kehrt und Sie ordentlich durchwirbelt. Die aber auch Lebendigkeit und frische Energie in ihr Leben trägt.
Herzlichst, Inga Dalhoff

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