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Spirituelle Erschöpfung

Die Selbstoptimierungsfalle spiritueller Menschen

Foto eines Menschen im Bett mit Decke über dem Kopf

Irgendwie kann ich nicht nicht selbstreflexiv sein. :-) Auf die Frage, was mir das Wichtigste in meinem Leben ist, antwortete ich bereits als Jugendliche mit "meine Weiterentwicklung" und meinte bereits damals mein persönliches und spirituelles Wachstum - auch wenn es zu dieser Zeit unter anderen Vorzeichen stand als heute.

 

Nun gibt es allerdings auch Phasen, in denen bin ich einfach nur erschöpft. Es will nicht so recht weitergehen mit dem inneren Wachstum, die Inspiration ist weg, meine Kreativität liegt am Boden. Ich verfalle in Antriebslosigkeit und Schwermut. Was ich daraus lernen durfte und darf, liest du hier.

 

Selbstliebe, Humor und Leichtigkeit sind gefragt

Inzwischen weiß ich, dass mich eine solche Phase der Antriebslosigkeit und des Stillstands ein-, zweimal im Jahr für einige wenige Wochen ereilt und sich auch wieder legt. Doch jedes mal finde ich diese Zeiten maximal anstrengend. Denn ich fühle mich wie abgeschnitten von all dem, was mich nährt. Begegne längst überwunden geglaubten destruktiven Verhaltensweisen. Streng beäuge ich mich selbst, unfähig aus dem Stillstand auszubrechen. Fühle mich schlecht, weil ich doch vermeintlich alle Techniken an der Hand hätte, um mich selbst aus diesem "nicht vor und nicht zurück Können" zu befreien.

 

Mangelt es also an Willenskraft, an Disziplin oder habe ich eine wertvolle Lektion immer noch nicht gelernt? Und darf ich hier darüber schreiben? Müsste ich als Beraterin nicht immer alles fest im Griff haben, ein Ausbund an Lebensfreude und Konstruktivität sein?

 

Na ja, in der Tat scheine ich die ein oder andere Lektion selbst auch noch nicht vollends gelernt zu haben - Beraterinnendasein hin oder her. Ich traue mich zu schreiben, dass ich wohl die Lektion des Annehmens dessen, was gerade ist, noch nicht vollends verinnerlicht habe und die der Selbstliebe wohl auch nicht vollumfänglich.

 

Und eine Prise mehr Humor und Leichtigkeit würden mir manchmal ebenfalls ganz gut stehen. Mal wieder über mich schmunzeln. Wo ich mich doch immer so ernst und streng betrachte. Ja, das ist fein. Das kommt auf meine ToDo-Liste - natürlich spielerisch, freudig, leicht. ;-) Nichts mehr wollen, einfach was anderes machen, wenn das Angestrebte nicht zu erreichen zu sein scheint. Die Seele baumeln lassen und das auch genießen. So wird ein Schuh draus.

 

Mein mich Wohlfühlen von meiner Schaffenskraft und Leistungsfähigkeit entkoppeln - auch und gerade dann, wenn es finanziell eng wird. Mich an meinem so Sein erfreuen. Vertrauen. Herrlich. So macht Stillstand Spaß.

 

Ist aber irgendwie nicht so einfach, denn das Credo des ständigen Wachstums und Tuns der westlichen Welt ist tief in mir verankert und hat sich auch in meine Spiritualität eingeschlichen. Zeit es loszulassen und einfach nur noch der Freude zu folgen. (Wie das mit dem Loslassen funktioniert, habe ich in meinem E-Book "Lebe frei!" beschrieben.)

 

Gewonnene Erkenntnisse integrieren

Und eins ist außerdem klar: Diese Phasen des Stillstands, der Unfähigkeit in Aktion treten zu können und wie gewohnt meiner kreativen Schaffenskraft nachzugehen, folgen immer auf eine entweder außerordentlich produktive Schaffensphase oder auf eine Phase großer energetischer, spiritueller oder persönlicher Herausforderungen und haben ihren Sinn.

 

Während dieser erschöpften Zeiten reift Erlebtes nach, vertiefen sich Erkenntnisse, integriert sich gewonnenes Wissen, sortieren sich Körper, Geist und Seele neu. Und manchmal benötigt es dafür eben absoluten Stillstand und meine ungeduldigen, sich an der Schaffenskraft erfreuenden inneren Anteile haben einmal nicht die Führung, sondern müssen die Füße stillhalten, damit all die anderen inneren Anteile nachkommen können und Raum für ihre Aufgabe finden können. 

 

Warum schreibe ich das?

 

Nur, weil wir den spirituellen Weg der Selbsterkenntnis gewählt haben, sind wir nicht perfekt

Weil ich in meinen Beratungen öfter auf spirituell sehr engagierte Menschen treffe, die sehr streng über sich selbst urteilen, sobald sie glauben, einen Fehler gemacht zu haben oder sobald sie ihren eigenen spirituellen Ansprüchen einmal nicht gerecht werden. Gerade sie müssten es doch mit all dem Handwerkszeug, das sie sich angeeignet haben, schaffen, immer positiv und vorbildlich durch ihr Leben zu schreiten - glauben sie.

 

Gerade sie müssten es doch schaffen gesund, glücklich, erfüllt und finanziell frei zu sein - erwarten sie. Und schon geht es los mit der schuldbewussten Grübelei, der Selbstoptimierung: Was habe ich falsch gemacht? Was kann ich besser machen? 

 

 

Meine Tipps an dieser Stelle

 

Ja, diese Fragen können sehr wertvoll sein. Noch viel wertvoller ist es für mich oft und wie oben bereits geschrieben, der Stille und dem Stillstand Raum zu geben, Krankheit anzunehmen, Unzufriedenheit lieben zu lernen und sich von fixen Ideen zu lösen. Stattdessen

 

 

Bild rotes Herz

lieben zu lernen, was ist - vor allen Dingen dich selbst. So wie du bist. Einzigartig, aber nicht ohne Fehler.

 

Bild rotes Herz

die überwältigende Emotion der Selbstkritik, der Schuld, der Wut, der Ablehnung, der Angst, der Verzweiflung oder was immer dich umtreibt als das anzuerkennen, was sie ist: Eine Emotion, die du hast weil sie dir die Augen öffnen möchte und eine Botschaft für dich hat. Eine Emotion, die du aber nicht bist und die wie alles in der Welt wieder vergeht.

 

Bild rotes Herz

der Freude im Kleinen wie im Großen Raum zu geben und ihr zu folgen. Denn sie ist der Fingerzeig deines Herzens und deiner Seele.

 

Bild rotes Herz

sich und das Leben mit Humor zu betrachten. 

 

Bild rotes Herz

zu genießen, was das Leben schenkt, voller Selbst- und Urvertrauen.

 

Bild rotes Herz

die Selbstoptimierung Selbstoptimierung sein zu lassen und einfach nur zu leben.

 

Das Leben ist eben auch für den spirituell interessierten Menschen ein Abenteuer. Mit Höhen und Tiefen. Mit gut gemeisterten und weniger gut gemeisterten Aufgaben. Einfach, damit wir uns erleben können. Und es darf Spaß machen, lustig sein, unproduktiv sein. Es darf auch ganz anders sein, als wir es uns vorstellen, als es unser Umfeld oder das Kollektiv von uns fordern mag. Es darf so einzigartig sein, wie wir es eben auch sind. 

 

Zu tief sitzt so manches Mal der gewohnte Leistungsanspruch, den wir mit der Muttermilch aufgesogen haben. Zu sehr streben wir auch auf unserem Weg der Selbsterkenntnis nach Leistung und Anerkennung. Zu sehr folgen wir dem Credo stetigen Wachstums.

 

Lasst uns uns daran erinnern, wie zyklisch das Leben ist, wie zyklisch auch wir sind. Wie sehr das Leben in uns pulsiert. 

 

Lass dein Licht leuchten!

 

Deine Inga

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Kommentare: 2
  • #1

    Karin (Montag, 16 September 2019 21:03)

    Liebe Inga!

    Vielen Dank für deine Offenheit und Ehrlichkeit! Das entstresst ungemein.

    Innere Antreiber machen aus Menschen Objekte - egal ob das äußere Mascherl "Leistung in der Selbstentwicklung" oder "Leistung im Job o.ä." heißt. In jedem Fall machen wir uns selbst zum Objekt.

    EINFACH SEIN statt tun ... welch schöne Ausrichtung in unserer effizienten, zielorientierten Welt! �

  • #2

    Inga Dalhoff (Dienstag, 17 September 2019 14:59)

    Danke, liebe Karin! Sehr wertvolle Gedanken zu diesem Thema.